Bilanz: Ein Jahr Gewaltpräventionsberatung im Burgenland

Bilanz: Ein Jahr Gewaltpräventionsberatung im Burgenland Seit 1.September 2021 führt der Verein NEUSTART im Burgenland die Gewaltpräventionsberatung im Auftrag des Innenministeriums durch. NEUSTART konstatiert um 38% mehr Fälle als erwartet.Bilanz: Ein Jahr Gewaltpräventionsberatung im BurgenlandEisenstadt, 31. August (NEUSTART) – Seit 1. September 2021 müssen Personen, gegen die die Polizei ein Betretungs- und Annäherungsverbot ausspricht, verpflichtend an einer sechsstündigen Gewaltpräventionsberatungen teilnehmen. Im Burgenland führt der Verein NEUSTART diese Beratungen durch.In den vergangenen zwölf Monaten wurden 311 Gefährder:innen zur Beratung im Burgenland zugewiesen. 91 Prozent von ihnen sind männlich.“Wir haben mit rund 225 Fällen gerechnet. Die Steigerung von 38 % zeigt, dass wir es hier nicht mit einem Randphänomen, sondern mit einem massiven Thema zu tun haben. Es ist auch ein Mythos, dass nur soziale Randgruppen betroffen sind – gewaltbegünstigende patriarchale Strukturen gibt es leider in allen Gesellschaftsschichten“, erklärt Alexander Grohs MSc, Leiter von NEUSTART Niederösterreich und Burgenland.“Es ist für die Kolleg:innen herausfordernd, wenn sie kurz nach einer eskalierten und hochemotionalen Situation die Beratung aufnehmen. Dafür haben sie einerseits den Vorteil hier rasch zu deeskalieren und eine Motivation zur Verhaltensänderung nutzen zu können und andererseits in der Beratung ansetzen zu können, bevor es zu straffälligen Handlungen kommt. Bei rund einem Drittel der Fälle kommt es beim Betretungs- und Annäherungsverbot der Polizei zu keiner Anzeige, da diese präventiv eingeschritten ist, bevor es zu einer Straftat kam – dies ist der Idealfall in solch einer Situation“, so Grohs.75% der Gefährder:innen melden sich innerhalb der vorgeschriebenen 5 Tage, in denen mit der Beratungsstelle für Gewaltprävention Kontakt aufgenommen werden muss. Rechnet man jene hinzu die sich verspätet melden, sind es sogar 85%. Wenn keine Meldung innerhalb der Frist erfolgt, erfolgt eine Meldung an die zuständige Sicherheitsbehörde, welche eine Ladung veranlasst und über eine Verwaltungsstrafe entscheidet.“Das gemeinsame Miteinander ist das Um und Auf um bestmöglich gegen häusliche Gewalt vorgehen und diese zukünftig verhindern zu können! Daher freut uns die sehr gute Zusammenarbeit und Kooperation mit Polizei und Sicherheitsbehörden, der Justiz, dem Opferschutz und Gewaltschutzzentrum sowie der Männerberatung im Interesse der burgenländischen Sicherheit“, betont Grohs. Von Seiten NEUSTART erfolgte die Teilnahme an 13 sicherheitspolizeilichen Fallkonferenzen, wo bei Hochrisikofällen alle Beteiligten Behörden und Institutionen gemeinsam Maßnahmen zum Schutz der potentiellen Opfer besprechen und abklären. „Die Fallkonferenzen haben sich als unabdingbar bei jenen Fällen gezeigt, wo ein hohes Risiko für das Opfer eingeschätzt wird. Alle Beteiligten nehmen so eine Situation ernst und es werden koordinierte Schritte überlegt, wie beispielsweise gezielte Polizeipräsenz bei Gericht am Tag einer Scheidung oder weiterführende Maßnahmen wie Bewährungshilfe bei den Gefährder:innen“, unterstreicht Grohs.In der Mehrheit der Fälle ist diese Konferenzen allerdings nicht notwendig. „Die meisten unserer Klient:innen haben zuvor noch nie eine Beratung zum Thema Gewalt in Anspruch genommen und nehmen unser Angebot gut an. Hier zeigt sich der Wert des verpflichtenden Settings. Eine der regelmäßigen Rückmeldungen ist von Klient:innenseite, dass sie niemals freiwillig Unterstützung gesucht hätten und Angst davor hatten was hier passiert. Durch die Kombination von Grenzen setzen und Normverdeutlichung, sowie respektvollen Umganges mit den Gefährder:innen kann zumeist ein guter Einstieg gefunden werden und bei Bedarf eine Weitervermittlung nach den 6 Stunden an weiterarbeitende Angebote gelingen. Denn das wichtigste Ziel ist der nachhaltige Stopp der Gewalt!“, zeigt sich Grohs überzeugt.“Als Landespolizeidirektor kann ich die vor einem Jahr eingeführte Gewaltpräventionsberatung nur begrüßen. Wir blicken hier auf ein sehr erfolgreiches Jahr zurück. Die Rückmeldung der Polizist:innen weist auf eine sehr positive Zusammenarbeit hin. Gewalt in jeder Form wird von uns sehr ernst genommen, daher ist es ungemein wichtig, alle Mittel einzusetzen, um Gewalt zu verhindern. Zu diesen Mitteln gehören eben nicht nur die polizeiliche Arbeit bei der Erhebung von Gewalttaten, sondern ganz besonders die Zusammenarbeit und die enge Vernetzung mit allen Institutionen, die mit dieser Thematik befasst sind. Und das funktioniert im Burgenland ausgezeichnet“, erklärt Landespolizeidirektor Mag. Martin Huber.Über NEUSTART ÖsterreichSeit 1957 arbeitet NEUSTART in den Bereichen Straffälligenhilfe (Bewährungshilfe, Haftentlassenenhilfe), Opferhilfe und Prävention. Der Verein bietet Einzelnen und der Gesellschaft Hilfen und Lösungen zur Bewältigung von Konflikten und zum Schutz vor Kriminalität an. NEUSTART beschäftigt 700 haupt- und rund 1.000 ehrenamtliche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Damit zählt NEUSTART zu einer der größten Non-Profit-Organisationen in Österreich. www.neustart.atRückfragen & Kontakt:Verein NEUSTARTAlexander Grohs, MScLeiter Niederösterreich und BurgenlandMobil: 0676/84 73 31 218alexander.grohs@neustart.atLandespolizeidirektion BurgenlandObstlt Helmut Marban, BABüroleiter ÖffentlichkeitsarbeitMobil: 0664 8239017Helmut.marban@polizei.gv.atPresseaussendung vom 31.08.2022, 08:33 UhrReaktionen bitte an die LPD Burgenlandzurück

admin :